Geburtsbericht

Freitag, der 24.04.2015 Mittags

Kaum bin ich aus der Praxis der Frauenärztin spaziert rufe ich auch schon meinen Nuffel an, um ihm zu sagen, dass die Frauenärztin meinte: „Das dauert noch bis ihr Baby kommt. Bis Montag!“

FREITAG, DER 24.04.2015 AbendS

Auf dem Sofa liegend immer wieder hin und her rutschend, keine Position ist mehr bequem. Der Bauch viel zu groß. Will ich noch nicht ins Bett, dort ist es noch schwieriger einzuschlafen. Der Nuffel geht schon ins Bett.

FREITAG, DER 24.04.2015 Nachts

Was ist denn da los. Ständig tropft was aus mir raus. Hält meine Blase nicht mehr dicht oder was ist da los? Ab auf Toilette. Langsam könnte ich ins Bett gehen. Das Tropfen hört nicht auf. Ich denke mir dabei nichts böses und lege mir einfach ne Einlage ein, die fängt das vermeintliche Pipi schon auf.

Im Bett erzähle ich dem Nuffel davon, dass ich nicht mal mehr dicht halte. Er guckt sich das an und fragt so:“Ist deine Fruchtblase gesprungen?“ Sogar verschlafen ist er spitzfindiger als ich.

Im Geburtsvorbereitungskurs haben wir gelernt, wenn wir nicht sicher sind können wir mal im Kreissaal anrufen. Gesagt getan. Im Kreissaal nimmt MEINE Hebamme den Hörer ab. Sie ist zur Hälfte Freiberuflich unterwegs zur anderen Hälfte in der Nachtschicht im Krankenhaus. Was ein Glück, meine Hebamme zu sprechen. Ich schilderte ihr was los ist und fügte hinzu bissel Blut ist auch zu sehen. Sie beglückwünschte mich es würde wohl bald los gehen, ich darf doch gerne mal ganz gemütlich ins Krankenhaus kommen.

Samstag, DER 25.04.2015 Nachts

Mittlerweile war es schon nach null Uhr und ich rief meine Eltern an, das war so ausgemacht, denn wir haben gar kein Auto, um ins Krankenhaus zu fahren. Das Köpfchen war auch schon seit Wochen fest im Becken. Also konnte ich aufrecht fahren. Meine Eltern schliefen schon, nach meinem Anruf nicht mehr :D.

Es dauerte ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde bis sie da waren. Ich hatte nur ganz leichte, aber regelmäßige Wehen. Zwischenzeitlich rief mich mein Bruder an, wo ich denn liege. Im Krankenhaus die wüssten noch gar nicht, dass ich da bin. Zu dem Zeitpunkt war ich noch im Auto meiner Eltern und wir sind gerade erst los gefahren. Sie hatten ihn verständigt, dass es bei mir los geht und er fuhr sofort ins Krankenhaus. Manchmal ist er sehr süß und fürsorglich. Im Krankenhaus angekommen nahm mich meine Hebamme in Empfang, es ging mir gleich gut. Es war nicht viel los und ich musste noch ein paar Untersuchungen über mich ergehen lassen. Als ich ankam war mein Muttermund „fingerdurchlässig“ es müsste nun so gegen 1 Uhr nachts gewesen sein. Selbstverständlich musste ich („nur“ für 10 Minuten) an den CTG, wie hätte es auch anders sein sollen. Sie sagten sie behielten mich da. Meine Eltern fuhren wieder nach Hause. Nun waren der Nuffel und ich alleine. Ich sollte nochmal auf Toilette gehen und bekam zwei schmerzlindernde Zäpfchen, denn die Wehen wurden immer stärker. Wir wurden auf mein Zimmer gebracht. Die Wehen wurden während dessen immer stärker. Meine Zimmergenossen war scheiße. Ich kannte sie vom Sehen und mochte sie nicht. Es stank nach altem Zigaretten Qualm und ihr Freund war auch noch da. Ja, nachts war der Typ noch da. Ein schmieriger ekliger Typ. Zusammen mit meinem Nuffel schloss ich uns im Bad ein und veratmete die Wehen auf dem Boden. Dort im Zimmer wollte ich nicht bleiben. Da kam mir die Idee. Treppenlaufen. Im Fernsehen und so sieht man es doch immer wieder, kurz vor der Geburt rennen die Schwangeren Treppen hoch und runter. Die Station lag auf der 8. Etage. Kreissaal und Entbindung auf Etage 1. Wir gingen los. Zu Anfang konnte ich noch ein Stockwerk gehen, dann musste ich eine Wehe veratmen. Der Nuffel stand mir ganz tapfer zur Seite und sagte mir immer wieder: „Atmen“, dann machte er die Übung vor und ich konzentrierte mich nur auf ihn. Es half mir wirklich sehr mit dem überwältigenden Schmerz umzugehen. Nach zwei oder drei Stockwerken mussten wir auf den Treppen oder auf den Zwischenetagen halten und veratmen. Der Weg, den ich im Februar noch in unter 8 Minuten gelaufen war dauerte nun über eine Stunde. Als wir unten waren reservierte ich mir den gelben Kreissaal, aber das hat meine Hebamme bereits erledigt. Der verfügte über ein breites Bett, auf das der Nuffel mitsteigen kann. Das hatten die anderen nicht. Außerdem wollte ich die die Badewanne. Ich hatte fest vor eine Wassergeburt zu erleben.

Im gelben Kreissaal, dann wollte ich mich hinlegen etwas ausruhen, doch meine Hebamme kam und scheuchte mich aus dem Bett. Ich solle es jetzt nicht zur Ruhe kommen lassen, laufe noch etwas herum bis die Badewanne voll ist.  Es war jetzt ca. halb 4 Uhr morgens.

Also liefen der Nuffel und ich im Gang vor meinem gelben Kreissaal Runden. Immer mal wieder musste ich mich übergeben. Die Zeit zog sich während einer Wehe, aber im nachhinein verflog sie wie im Flug. Erneut sollte ich ans CTG ich konnte nicht mehr ruhig liegen und begann zu fluchen. Ich verfluchte dieses verdammte dumme CTG und ich fluchte, dass ich Schmerzen habe und mich bewegen will.

Die Geburt

Dann plötzlich veränderte sich alles. Presswehen setzten ein. Nuffel und ich waren gerade alleine im Kreissaal und es fühlt sich wirklich so an als würde man auf Toilette müssen nur tausendmal stärker. Ich dachte in meiner naiven Rolle: „Ich kack‘ denen nicht auf den Tisch!“ Doch der Drang war so unglaublich viel stärker, dass ich nachgab und zu einer „MIr jetzt egal“ Einstellung mutierte und einfach mitpresste. Die Hebamme kam und sagte“ Ich sehe das Köpfchen!“, ich entgegnete: „Schieb sie wieder rein!“ Doch so plötzlich Mutter zu werden war zu viel für mich. Im Geburtsvorbereitungskurs wurde gesagt es sei normal, dass man so 8 Std in den Wehen liegt. Darauf war ich vorbereitet, aber nicht, dass nach vier Stunden dein kleines Mädchen auf der Welt ist. Danach kam irgendeine Ärztin und guckte ungefragt auch mal auf mein bestes Stück. Irgendwie wurde ein brennender Schmerz ausgelöst und ich brüllte die beiden an, war ja vollkommen blind zwischen ihnen und mir lag der riesige Bauch, „Was macht ihr da unten?! Ihr tut mir weh!“ Was ihre genaue Antwort war weiß ich gar nicht mehr, ich weiß nur noch, dass ich diesen Schmerz, der ganz anders war als die Presswehen, sehr unangenehm empfand. Der Nuffel konnte einfach nicht anders und musste ebenfalls mal schauen was da unten so vor sich geht und berichtete mir mit riesigen leuchtenden Augen: „Ich sehe das Köpfchen.“.

Eigentlich ging alles recht schnell. Ich hatte nicht viele Presswehen. Die erste, die versuchte ich zu unterdrücken. Die zweite mit der Hebamme, die mir sagte, es wären Presswehen und mich vom CTG befreite. Eine Dritte, die höllisch weh tat. Eine vierte und fünfte, dann war mein Kind draußen (Zumindest war das die Anzahl, die ich wahrgenommen habe). Sie lag auf meiner Brust und gab keinen Mucks von sich, sie schaute mich nur mit ihren Äuglein an und über mich kam ein Wunder „Mein Baby“.

Das tolle war, ich habe das Baby innerhalb von einer Schicht bekommen, denn ab 6 Uhr hatte meine Hebamme Feierabend. Eigentlich schade, sich über sowas zu freuen, sollte es doch normal sein, dass man von einer Professionellen während der gesamten Geburt begleitet wird.

Der Nuffel musste auf meine Anweisung hin gleich ein Bild machen und es meiner Familie schicken. Er durfte die Nabelschnur durchschneiden und sie halten während ich die Nachgeburt aus mir herauspresste. Die guckte ich mir dann noch angeekelt, aber interessiert an. Meine Frage was mit ihr passiert. Wurde mit sie käme zum medizinischen Abfall beantwortet. Irgendwie unbefriedigend, dass ein Teil von mir einfach so weggeworfen wird ohne mich zu fragen.

Endlich konnte ich wieder aufstehen und ich fühlte mich auch direkt 10 Kilo leichter. Erschöpft aber dennoch einfach wunderbar. Allmächtig. Habe ich doch gerade ein so wunderschönes Wesen geboren, ganz ohne Schmerzmittel, denn die Zäpfchen hätten schon nicht mehr gewirkt, bemerkte die Hebamme einmal in einem Nachgespräch. Ein Brennen hatte ich beim Wasser lassen, aber das war okay. Mein Damm ist nicht gerissen und wurde auch nicht aufgeschnitten, das hat mein Körper alles alleine gemacht. Durch die Geburt bin ich so stolz auf meinen Körper unglaublich was der alles kann.

Das nächste Baby möchte ich gerne in einem Geburtshaus oder Zuhause bekommen.

 

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